Feuerschiffe...

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Veronica und deutsche Feuerschiffe, Veronica und deutsche Nordseeinseln... sie haben offensichtlich so einiges gemeinsam. Das erste Veronicaschiff war die Borkumriff, die in der Zeit von 1911 bis 1956 als Feuerschiff in der Nähe der ostfriesischen Insel Borkum gedient hatte. Und das zweite Veronicaschiff war ein Hamburger Fischkutter, benannt nach Norderney, die zweite Insel weiter östlich und eine von insgesamt 26 (!) deutschen Nordseeinseln. Was kann man nun aus der alten Zeit noch bestaunen? Jelle Boonstra fuhr nach Emden und Borkum und hielt seine Beobachtungen fest. Bei einem Buchdrucker vor Ort fand er tatsächlich noch ein bislang unbekanntes Foto der Borkumriff aus dem Jahre 1934 - mit der Naziflagge oben im Schiff hängend!



Ein paar Überlegungen zu deutschen Feuerschiffen: Als Veronica im Jahre 1959 die Borkumriff erwarb, war das Schiff schon seit drei Jahren durch die brandneue gleichnamige Borkumriff ersetzt, Baujahr 1955 und in Betrieb  bis 1988. Danach wurde das Schiff einfach durch eine nackte Boje ersetzt, die die Schiffe nun mit einem Nebelhorn und drei Lichtsignalen vor Untiefen warnt - alles andere schaffen die Schiffe heutzutage mit Satellitennavigation und integriertem Radar selbst.



Aber schauen wir zunächst noch auf ein anderes Feuerschiff.  Als Veronica in Emden noch mit der Ausrüstung der Borkumriff beschäftigt war, erschien in der niederländischen Presse das erste Foto mit den Buchstaben V.R.O.N. am Bug. Es handelte sich allerdings gar nicht um die Borkumriff, sondern um das Feuerschiff Kiel, das im Mittelpunkt der Erzählung "Das Feuerschiff" von Siegfried Lenz stand - einer der ersten Analysen darüber, wie eine Geiselnahme abläuft, in diesem Fall auf dem draußen im Meer gelegenen Schiff. Das Feuerschiff Kiel gibt es auch heute noch. Es wurde zwar schon 1967 aus dem Verkehr gezogen, aber nach 1988 hat fast jeder es mal vorbeifahren sehen, denn als Segelschiff 'Alexander von Humboldt' taucht es mit seinen grünen Segeln auf fast allen großen Segelregatten auf.

 

 

 


Aber nun endlich zur Borkumriff selbst. Es ist schon ein wenig verwirrend: Es gab nämlich drei Schiffe mit diesem Namen. Das erste wurde im Jahre 1903 gebaut und verrichtete nur 8 Jahre lang seinen Dienst, da es sich als viel zu klein für die 14tägigen Dienstperioden der Besatzungen erwies. Im Vergleich mit dem späteren Veronicaschiff, das im Jahre 1911 gebaut wurde und fast anderthalb mal so groß war, machte es nicht viel her. Von vier Kriegsjahren abgesehen lag das Schiff insgesamt 40 Jahre vor Borkum. Wie schön es mit seinen markanten Formen aussah, wird auf den folgenden Aufnahmen aus den Jahren 1950 und 1955 deutlich.

 

 

Veronica hat offensichtlich eine ganze Menge von der ursprünglichen Ausrüstung des Schiffes entfernt, wie man deutlich auf dem Foto des NTS Nachrichtenjournals sieht (das Bild wurde dankenswerter Weise vom niederländischen Institut "Beeld en Geluid" zur Verfügung gestellt).

 

Nach nur fünf Jahren gab Veronica schließlich das Schiff wieder auf. Es schien doch zu klein und zu alt für ein Unternehmen, das Pionierjahre und Kinderkrankheiten inzwischen hinter sich hatte und nun über entsprechende finanzielle Reserven verfügte. Die Borkumriff wurde in Begleitung von Bull und Jaap Verweij und deren eigenen Fischerbooten (und zwar der von Jaaps Sohn Chris geleiteten "Reederei Gebrüder Verweij") nach Zeebrügge gefahren und dort abgewrackt.

 

Gibt es noch mehr über das Schiff zu berichten? Ja, und zwar nur die Schiffsglocke wurde vor dem Abwracken gerettet. Sie hängt in Bulls ehemaliger Villa am Herenweg in Breukeleveen an der Hand einer Nixe, die er zusammen mit der Glocke bei seinem Konkurs im Jahre 1983 dem Käufer seines Hauses überlies.



Die erhabene Bedeutung des alten Veronicaschiffes wird einem besonders bei einem Besuch in Emden deutlich. Mitten im Stadtzentrum und ganz in der Nähe des Rathauses liegt die Amrumbank, die als 'Deutsche Bucht' in den Jahren 1917 bis 1983 ihren Dienst versah (auf dem Foto vor der Insel Borkum liegend). Das Schiff wurde nach denselben Plänen wie die Borkumriff gebaut. Allerdings sind die Aufbauten hier noch luxuriöser gestaltet. Das Schiff dient heutzutage als Museum und kann täglich besucht werden. Im Internet findet man es bei www.amrumbank.de.

 


 

Aber passen Sie auf, dass sie pünktlich kommen. Als Hans Knot, Ome Bull Verweij und ich im Jahre 1994 fünf Minuten nach Ende der Öffnungszeit ankamen (es gab nämlich einige Staus durch Baustellen) wurden wir nicht mehr an Bord gelassen, obwohl man vorher ein Empfangskomitee für die besondere Radiolegende aus den Niederlanden angekündigt hatte (und damit meine ich Bull Verweij, nicht Hans Knot...). Auf die Hülle meines Exemplars des Buchs "Veronica Sage" schrieb Bull einen lustigen aber gleichzeitig auch vernichtenden Kommentar.

 

 

Und dann gibt es noch das Schiff Borkumriff. Allerdings nicht das von Veronica, sondern sein Nachfolger aus dem Jahr 1956. Auch dieses Schiff ist einen Besuch wert. Zunächst fährt man eine knappe Stunde entweder von Emden oder von Eemshaven nach Borkum. Schon von der Fähre aus kann man das Schiff dann kurz vor der Ankunft erkennen.

 

 

Ein kleiner Zug bringt die Gäste anschließend zum Hauptort, einem echten Tipp. Für Seesenderfans hat man dort sogar die blaugelbe Flagge gehisst: "I want to communicate with you." Man kann bequem eine tägliche Busfahrt zur Borkumriff buchen. Wer dann noch genügend Zeit hat, kann schließlich auch noch eine Schiffsfahrt nach... Norderney mitmachen.

 



Einen netten Nebenaspekt will ich nicht auslassen: Auch Norderney verfügte von 1907 bis 1981 über ein eigenes Feuerschiff, das ganz ähnlich wie die Borkumriff aussah. Allerdings war seitlich deutlich der Name 'Norderney' auf dem Schiff zu lesen... und so treffen sich so manche Verbindungen.

 

Wer dies nun alles übertrieben findet oder gar gar von dem ganzen Seesenderkram die Nase voll hat, der kann auf der ostfriesischen Insel Borkum sogar professionelle Hilfe finden. Es gibt nämlich sogar eine Borkumriff-KLINIK!

 

Die folgenden Fotos der Borkumriff im Schutzhafen von Borkum sprechen für sich selbst. Ausgerüstet mit dem Reiseführer kann man für nur zwei Euro am Tag stundenlang das Schiff in Augenschein nehmen. Und erwähnen Sie dann im Gespräch mit den Aufsicht führenden Personen doch ruhig mal "Radio Veronica". Das gefällt den Mitarbeitern an Bord sehr wohl. Sind Sie neugierig geworden? https://www.feuerschiff-borkumriff.de

 


Und Gregor Ulsamer hat ein schönes Buch über die Borkumriff-Schiffe geschrieben, in dem Sie selbst die Fragen beantwortet bekommen, die Sie niemals gestellt haben.

 

 

Viele Fotos und Hintergrundwissen über die Feuerschiffe findet man auf der empfehlenswerten Webseite www.feuerschiffseite.de...

 

Die übrigen Fotos bedürfen keines Kommentars…
 

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©  Jelle Boonstra 2007. Deutsche Übersetzung: Martin van der Ven.

 

 

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